WIR und Sportplätze erhalten spricht mit Bürgerinnen und Bürgern am Bahnhof
Nachgefragt – auf dem Bahnhofsvorplatz
14.02.2025 | Aktuelles
Die Februarsonne wärmt den kalten Bahnhofsvorplatz an einem Samstagvormittag. Ein junger Mann ist extra aus Reichenbach nach Esslingen gefahren, um Nachhilfe zu nehmen. Er ist von Esslingen begeistert und findet die Stadt sehr schön. Ein vergleichbares Nachhilfeangebot gibt es in seiner Heimat nicht.
Zwei Syrer, die in einer Unterkunft in der Pliensauvorstadt leben, suchen nach Deutschkursen, um ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Wir zeigen ihnen die Online-Seite des Landratsamtes Esslingen, die eine arabische Datei enthält, die jeden Schritt von der Antragstellung bis zur Kostenübernahme erklärt.
Ein junger Vater kommt mit seinem kleinen Sohn zum Einkaufen nach Esslingen. Er kennt bereits die Geschäfte, die er am liebsten besucht. Eine Rentnerin aus Mettingen fühlt sich sowohl in ihrer Heimat als auch auf dem Bahnhofsvorplatz zunehmend unwohl und unsicher. Sie ist der Meinung, dass obdachlose Menschen auf dem Platz und Unterführung besser versorgt werden sollten. Die Pliensaustraße habe sie auch schon schöner erlebt – es gibt zu viele Bäckereien und 1-€-Läden, viele kleine Geschäfte seien verschwunden und das Straßenbild habe sich deutlich verändert.
Eine Rentnerin kritisiert, dass das Stadtticket erst im Herbst kommt. Ein junger Mann aus Filderstadt bezeichnet Esslingen als „Stresslingen“ – besonders am Bahnhof erlebe er Gewalt und Schlägereien.
Zwei Iraner haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Einer von ihnen arbeitet in Heilbronn und pendelt von seinem Zimmer einer Plochinger Unterkunft. Ein Zimmer in Heilbronn kostet mittlerweile bis zu 700 €, während er nur 1700 € verdient.
Eine junge Frau aus Stuttgart hingegen liebt den Charme der Altstadt.
Rede von Stadtrat Andreas Klöpfer
Wir brauchen eine nachhaltige Finanzpolitik mit Investitionen für die Zukunft. Angesichts leerer Kassen und steigender Verschuldung müssen wir uns auf das Notwendige und Machbare beschränken.
Unser Prinzip muss sein: Keine leeren Versprechungen, sondern das realisieren, was Esslingen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung wirklich voranbringt.
In der Kürze liegt die Würze
Unsere Position: Die Erhöhung der Schulden von 42 auf 107 Millionen Euro ist nicht akzeptabel. Das belastet die nächste Generation.
Wir fordern einen Verzicht auf den Kauf und die Sanierung des Kögel-Gebäudes. Für die Bücherei haben wir den Pfleghof. Kögel und Pfleghof sanieren ist finanziell nicht drin und erhöht die Schulden.
Mehr Sauberkeit und weniger Müll
Eine Verpackungssteuer hätte Signalwirkung: weg von der Wegwerfmentalität hin zu ressourcenschonendem Konsum. Ziele sind die Reduzierung von Einwegmüll, die Entlastung der Stadt bei Reinigung und Entsorgung sowie die Förderung von Mehrwegverpackungen. Die Verpackungssteuer ist kein Allheilmittel, aber ein deutliches Zeichen für ein sauberes, nachhaltiges Esslingen.
Unsere Sicht auf die Finanzlage der Stadt
Die Verwaltungsspitze will innerhalb der nächsten vier Jahre 200 Stellen streichen. Noch vor kurzem wollten die großen Fraktionen CDU, Grüne, Freie Wähler und SPD mit dem OB eine zusätzliche Bürgermeisterstelle schaffen. Mit viel Engagement und Veröffentlichungen von Bürgerinnen- und Bürgerstimmen konnten WIR mit dazu beitragen, dass diese Idee vom Tisch ist.
Bürgerbegehren Stadtbücherei im Visier der Stadt?
Wir finden es unverständlich, dass das Sammeln von Unterschriften auf öffentlichen Plätzen, das den Verkehrsfluss in keiner Weise stört, von der Stadt als »kritisch« wahrgenommen wird.
Statt Steinen auf dem Weg wünschen wir uns mehr Verständnis dafür, dass Bürgerbegehren das Vertrauen in die Demokratie stärken.
Nachgefragt – Bürgerschaft zur Bücherei
Eine Mutter und ihre 9-jährige Tochter sind an diesem sonnigen Samstagvormittag in der Innenstadt unterwegs. Die Tochter freut sich schon auf die Spiele in der Bücherei. Beide sind für deren Verbleib im Pfleghof.
Ein Mann, der nur einen Steinwurf von der Bücherei entfernt wohnt, nennt die Pläne zum Kögel-Umzug »eine Katastrophe« und hat dazu schon verschiedene Stadträte angeschrieben. Am Pfleghof schätzt er die Einmaligkeit und historische Substanz.
